Auf Fotografien stossen wir überall, ohne dass wir danach
fragen; und ohne dass
wir sie genauer oder überhaupt betrachten, verschwinden sie
wieder. Aus den
vielen Fotos, die zufällig zu uns gekommen sind, haben wir
54 ausgewählt. Sie
sind keinem Thema untergeordnet, beinhalten vorwiegend alltägliche
Sujets und
erheben keinen Anspruch auf Mode, Fotokunst oder Wissenschaft.
Es sind alles
unveränderte Originalfotos, in der Regel wohl Unikate. Die
meisten entstammen
der Album-Welt gewöhnlicher Erinnerungsfotos. Sie sind naturgegeben
kleinformatig
und schwarz-weiss. Negative sind keine vorhanden. Alle stehen
zum Verkauf
(Fr. 180.-/250.-, inkl. Rahmen).
Eine Ansammlung von Fotos suggeriert eine Zusammengehörigkeit,
eine Einheit
der Welt. Als Splitter vergangener, also toter Wirklichkeit sind
sie zeitlich und
räumlich aber völlig voneinander getrennt. Indem wir
sie auswählen, stellen wir
sie wieder zu einem poetischen Ensemble zusammen. Dies nach dem
Mass subjektiv
wahrgenommener Qualität: jeder Betrachter empfindet und urteilt
anders. Auch
unsere zweisame Beurteilung war nicht einhellig. Warum aber eine
Ausstellung
machen, wenn wir nicht glaubten, dass all diese Bilder eine Eigenart
besitzen,
die beim Betrachter durchdringen und ein "Ja, das ist es!"
bewirken könnte?
Ausgesuchte Einzelbilder haben "in einer von fotografischen
Relikten übersäten
Welt (..) offensichtlich auch als Fundobjekte ihren Reiz, als
zufällige Ausschnitte
der Welt. Sie profitieren also gleichzeitig vom Prestige der Kunst
und von der Magie
der Wirklichkeit" (Susan Sontag).
Der Wert unserer Ausstellung hängt in besonderem Masse ab
von der Aufmerksamkeit
des Betrachters, seiner Bereitschaft hinzuschauen, zu verweilen.
Was passiert wenn
man eine Fotografie länger anschaut? Möglicherweise
nichts, man entlässt sie ins
Vergessen. Unter Umständen gelingt es einem Foto aber, unser
Interesse zu wecken,
"bei uns anzukommen". Im Fall der Entdeckung, im Fall
der glücklichen Koinzidenz,
bildet sich ein Verhältnis: "es beseelt mich, und ich
beseele es" (Roland Barthes).
Solche Fotos weisen etwas auf, oft nur ein Detail, gar ein unbeabsichtigtes.
Durch
dieses auftauchende "Etwas" ist die Fotografie dann
für den Betrachter plötzlich
nicht mehr irgendeine, sondern eine besondere, eine zu ihm, eine
"ihm gehörende".